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DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

22-01-2021 10:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 22.01.2021 um 10.30 UTC



Zunächst Troglage. Dabei nasskalt im Bergland winterlich. Ab kommenden
Donnerstag von Südwesten her allmähliche Milderung.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 29.01.2021


Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am kommenden Montag befindet
sich Deutschland unter einem umfangreichen Höhentrog, der vom Nordmeer ausgeht
und dessen Achse uns nach Osten überquert hat. Daran ist ein Bodentief
gekoppelt, das mittlerweile Westpolen erreicht haben dürfte. Gleichzeitig nähert
sich von den Britischen Inseln ein weiteres Bodentief nebst Kurzwellentrog.
Dieser Kurzwellentrog zieht mit einem kleinen Bodentief über Südwestdeutschland
nach Südosten. Derweil tropft der Haupttrog zum östlichen Mitteleuropa ab
Die 850 hPa-Temperaturen sind mittlerweile auf Werte zwischen minus 8 und minus
5 Grad abgesunken. Somit fallen etwaige Niederschläge bis in tiefe Lagen als
Schneeregen oder Schnee. Im Bergland bildet sich eine geschlossene Schneedecke
aus.
Am Dienstag zieht das so entstandene Cut-Off-Tief von Polen nach Weißrussland
und der Südteil des Troges tropft zur südlichen Adria ab. Damit kann sich ein
breiter atlantischer Höhenkeil weiter nach Osten verlagern und erreicht
Westeuropa. Vorderseitig wandert ein Bodenhoch von Frankreich zur Schweiz. An
seiner Nordostflanke strömt weiter maritime Polarluft zu uns mit
850-hPa-Temperaturen zwischen -7 Grad im Nordwesten und -10 Grad im Südosten.
Dabei fallen gebietsweise noch einzelne Schnee- oder Graupelschauer.
Der Höhenrücken wandert am Mittwoch mit seiner Achse bis zum Abend nach England
und wird von Warmluftadvektion überlaufen. Die zugehörige Warmfront erreicht
nach kurzer Wetterberuhigung mit Niederschlägen zum Abend den Westen und
Südwesten Deutschlands. Dabei fällt anfangs meist Schnee.

Am Donnerstag wandert der Höhenkeil unter Abflachung von Benelux zum östlichen
Deutschland. Dabei dauert die Warmluftadvektion in seinem Bereich an und ein
weiteres, diesmal kräftigeres Frontensystem, das mit einem Bodentief bei den
britischen Inseln korrespondiert, überquert Deutschland fast vollständig
ostwärts. In diesem Zusammenhang gehen die Niederschläge abgesehen vom äußersten
Osten und Südosten Deutschlands in Regen über.

Am Freitag zieht das Bodentief nach Polen weiter, dadurch stellt sich eine
zyklonale geprägte Westlage ein, wodurch mildere Atlantikluft mit 850-hPa
Temperaturen von 0 bis 5 Grad herantransportiert wird.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des IFS ist gut auch der neue Lauf bestätig im Wesentlichen, wie
schon seine Vorgänger, die Umstellung von einer winterlichen Troglage auf eine
zyklonal geprägte und milde Westwetterlage. Dabei muss im weiteren Verlauf
allerdings mit teils kräftigen Regenfällen gerechnet werden.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch die anderen globalen Modelle zeigen keine andere Entwicklung auf. ICON und
IFS verlaufen sehr ähnlich und auch GFS hat sich den Lösungen von IFS stark
angenähert. Einzig bei GEM scheint sich die Milderung ab dem kommenden
Donnerstag etwas zu verzögern, aber in der erweiterten Mittelfrist stehen auch
hier die Zeichen auf Milderung.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse zeigt heute bis zum 7. Folgetag 3 Cluster, wobei in dem
ersten Cluster mit insgesamt 22 Mitgliedern auch der oper. Modelllauf
eingeordnet ist, der als blockierend eingestuft wird. Allerdings muss man hier
festhalten, dass der kräftige Rücken doch eine leichte Verlagerungstendenz nach
Osten hat und insofern die Kaltluft langsam nordostwärts abgedrängt wird.
Cluster 2 und 3 zeigen zwar auch den breiten Rücken, der aber durch flache
Randtröge ´abgehobelt´ wird. Das hat zur Folge, dass die Luftmassengrenze nur
zögerlich nordostwärts wandert mit der Tendenz, dass sich an ihr Randtiefs
entwickeln.
In der Rauchfahne von Offenbach erkennt man gut die ab Samstag/Sonntag
einströmende maritime Polarluft an den niedrigen 850-hPa-Temperaturen zwischen
-6 und -9 Grad. Ab Dienstagabend, meist aber ab Mittwoch steigt die Temperatur
an auf Werte um 0 Grad. Die Mehrzahl der Läufe bleibt dann in diesem
Temperaturniveau. Die Milderung scheint insofern in der Südhälfte Deutschlands
recht sicher zu sein. In der Rauchfahne von Berlin sieht man ab Donnerstag eine
Bifurkation: Etwas mehr als die Hälfte der Läufe zeigt Temperaturen knapp unter
0 Grad und ungefähr 40 Prozent der Modellruns bleiben kalt. Hier wird also
deutlich, dass die Luftmassengrenze wahrscheinlich für einige Zeit im Nordosten
verharren könnte. Entsprechend ist die Schwankungsbreite der Bodentemperatur in
Berlin ab Freitag recht groß, je nachdem, ob die Luftmassengrenze nördlich oder
südlich von Berlin liegt.
In der Südhälfte Deutschlands ist dagegen die Milderung recht sicher. Hier
steigen die Höchstwerte ab Freitag meist über den Normalwert.

Fazit: Bis Mittwoch bleibt es insgesamt nasskalt mit Höchstwerten im Bereich der
Normalwerte oder knapp darunter.
Ab Donnerstag und Freitag setzt sich im Süden und in der Mitte eine signifikante
Milderung durch. Im Nordosten ist die Milderung etwas zögerlicher zu erwarten.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Die Wahrscheinlichkeiten für markante Schneefälle ist ab Sonntag vor allem in
Staulagen der Mittelgebirge und in den Alpen zeitweise erhöht.
In den Niederungen muss vor allem nachts und vormittags vereinzelt mit markanter
Straßenglätte gerechnet werden.

Mitunter treten auf den Bergen Sturmböen auf. An der Küste sind zeitweise auch
mal starke Windböen zu erwarten.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, MOS-ECMWF, EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer
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