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DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

29-11-2020 09:01
SXEU31 DWAV 290800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 29.11.2020 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL BM
Zunächst ruhiges Hochdruckwetter mit Nebel, Hochnebel und örtlich Glätte. Ab der
Nacht auf Dienstag Übergreifen eines Tiefs mit (vorübergehend) Schnee
vornehmlich in der Südhälfte des Landes. Im höheren Bergland dann winterlich.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
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Sonntag... verläuft die Frontalzone auf relativ weit nördlicher Bahn und
beeinflusst vornehmlich Skandinavien. Davon abgesetzt lassen sich zwei
Höhentiefs ausmachen. Eines vor der Iberischen Halbinsel, dass zunehmend
subtropischen Charakter annimmt und langsam südwärts zieht. Das zweite recht
kräftige Höhentief befindet sich über Osteuropa und hat die Eigenschaft eines
Kaltlufttropfens, da es sich nur schwach in den bodennahen Schichten
widerspiegelt. Dazwischen erstreckt sich eine Hochdruckbrücke bis nach
Mitteleuropa.

Für Deutschland bedeutet dies, dass sich in vielen Regionen die gradientschwache
zu Nebel und Hochnebel neigende Großwetterlage zunächst fortsetzt. Eine Ausnahme
bilden der Osten und Nordosten, die von Ausläufern des osteuropäischen
Höhentiefs beeinflusst werden, sodass zeitweise leichter Niederschlag in Form
von Sprühregen fällt. In den Morgen- und frühen Vormittagsstunden ist dies bei
streckenweise noch gefrorenen Böden auch mit einer erhöhten Glättegefahr durch
gefrierenden Sprühregen verbunden.
Im weiteren Vormittagsverlauf sollte die Temperatur der Beläge dann allerdings
soweit angestiegen sein, dass keine Warnungen mehr erforderlich sind.

Tagsüber wird es wieder einige Regionen geben, wo es ganztags bedeckt und neblig
trüb ist. Das gilt vornehmlich für die Luvregionen der Mittelgebirge. Die
Strömung in der unteren Troposphäre zeigt eine klare Ostkomponente, sodass es
westlich der Mittelgebirge häufig auflockert. Diesen Effekt kann man schon jetzt
gut beobachten. So hat sich bereits aus der Nacht heraus eine größere
Wolkenlücke vom Bayerischen Wald her nach Bayern gefressen, sodass sich in den
sonst typischen Nebellöschern entlang der Donau die Sonne durchsetzt.
Vielfach grau wird es wohl im Anstau des Schwäbischen Alb bis hinunter zum
Bodensee bleiben. Dies ist dann auch die Region, wo die Wahrscheinlichkeit recht
groß ist, dass es ganztags frostig bleibt.

In der Nacht auf Montag ändert sich nichts Wesentliches an der Großwetterlage.
So liegen große Landesteile und Hochdruckeinfluss mit kaum Druckgegensätzen.
Dabei können sich gebietsweise Nebel und Hochnebel wieder ausbreiten. Die
Strömung in der unteren Troposphäre bekommt zunehmend eine Südostkomponente,
sodass sich die Regionen mit Nebel und Hochnebel im Vergleich zum Tag etwas
verschieben dürften. Beispielhaft sei hier das Rhein-Main Gebiet erwähnt, wo es
damit wohl stärker auflockern sollte bzw. die Nacht länger klar verlaufen
sollte, als in den Vornächten. Abhängig davon wo es Nebel und Hochnebel gibt und
wo es klar bleibt, sinken die Tiefstwerte auf 0 bis -5 Grad. In Teilen von
Bayern und im höheren Bergland kann es auch mäßigen Nachtfrost bis -7 Grad
geben. Örtlich kann es Glätte durch Reif geben.

Im Osten und Nordosten kann weiterhin das osteuropäische Tief etwas Einfluss
nehmen, sodass dort mit etwas WLA zeitweise ein wenig Sprühregen fällt. Durch
die dichte Bewölkung ist eher nicht zu erwarten, dass die Beläge wieder in den
negativen Bereich absinken. Dementsprechend sollte die Glätteproblematik
eigentlich gering sein. Wenn es zwischendrin aber Auflockerungen geben sollte,
ist natürlich wieder Vorsicht geboten. Zudem besteht im ostdeutschen Bergland
die Möglichkeit, dass auch etwas Schnee mit dabei ist.

Nebel wird sich den Wahrscheinlichkeiten folgend vornehmlich im Nordwesten
ausbilden.


Montag... dominiert zunächst noch die Hochdruckbrücke. Allerdings macht sich
bereits die Umstellung bemerkbar. So findet sich in Höhe ein Kurzwellentrog, der
um den kräftigen Hochdruckblock herumwandert und von Nordwest nach Südost in
Richtung Deutschland vorankommt. Daran gekoppelt ist auch ein Bodentrog, der
sich ausgehend vom Tief über dem Nordmeer nach Süden erstreckt. Auf der
Vorderseite macht sich bereits im Laufe des späten Vormittags WLA bemerkbar, die
mit dichten Wolken auf den Nordwesten übergreift. Im Laufe des Nachmittags kommt
dann auch Regen auf, der bis zum Abend große Teilen von Schleswig-Holstein und
Niedersachsen erfasst und bis zum Niederrhein ausgreifen kann. Glätte sollte
dabei aufgrund der Tageszeit kein Problem sein.

Im Rest des Landes ist es gebietsweise wieder ganztags hochnebelartig bedeckt
und in einigen Regionen vornehmlich nach Süden bleibt es wieder dauerfrostig.
Viel Sonne gibt es erneut im höheren Bergland sowie in einigen Leelagen der
Mittelgebirge. Allerdings sollte dieses Phänomen nicht mehr so stark ausgeprägt
sein, wie noch am Sonntag, da die Winde in der unteren Troposphäre im Laufe des
Tages komplett in die Knie gehen. Dies erklärt auch, warum es nur noch wenige
Regionen gibt, wo es sonnig wird und die Regionen mit Dauerfrost größer sein
werden, als noch am Sonntag.

In der Nacht auf Dienstag kommt der Kurzwellentrog nach Deutschland voran. Dabei
entwickelt sich getriggert durch die Höhe an der Südflanke des Bodentroges ein
eigenständiges Tiefzentrum, dass in Richtung Dänemark weiterzieht. Das damit in
Verbindung stehende okkludierter Frontensystem zieht mit kompakten
Feuchtefeldern weiter auf Südostkurs und überquert zunächst die mittleren
Landesteile, ehe es in den Morgenstunden auch den Osten und Südosten erreicht.
Wie schnell dies geht, ist noch etwas unsicher. GFS tritt diesbezüglich stärker
auf die Bremse, während ECMWF etwas schneller als das ICON ist.

Mit jedem Kilometer weiter nach Südosten wird es kritischer ins Sachen
winterlicher Wettererscheinungen. Im Nordwesten und Westen sowie allgemein
nördlich der Mittelgebirgsschwelle sollte sich mit zunehmenden Wind in der
unteren Troposphäre infolge der Durchmischung rasch die mildere Luft
durchsetzen. Weiter nach Süd(ost)en ist es zum einen teils ganztags dauerfrostig
geblieben und in den Nachtstunden kann der Frost auch noch etwas anziehen.
Gerade nach Südbayern kann die Temperatur nochmal bis in den mäßigen
Frostbereich sinken. Zum anderen geht durch Hebungsprozesse die herangeführte
Warmluft in der mittleren Troposphäre zunehmend in die Knie, sodass die 850 hPa
Temperatur zunehmend negativ ist.

Schaut man sich die Prognosesoundings an, so erkennt man nur noch eine schwache
warme Nase, die zunehmend weggebügelt wird und im 850 hPa Niveau nur noch um
oder unter 0 Grad liegt. Damit gehen die Niederschläge in Richtung Hessen,
Rheinland-Pfalz und Thüringen zunehmend in die feste Phase über. Im Bergland ist
dann auf jeden Fall mit der Ausbildung eine Schneedecke zu rechnen. Bei
prognostizierten Niederschlagsmengen zum Teil über 5 l/qm in 6 h können die
Schneemengen dort auch durchaus im markanten Bereich liegen. Auch in tiefen
Lagen kann sich bei prognostizierten Belagstemperaturen um 0 Grad durchaus eine
Schneedecke ausbilden. Je weiter man nach Südosten kommt, desto wahrscheinlicher
ist dies, da dort auch die Belagstemperaturen niedriger sind. Details muss man
dann mit Annäherung an das Ereignis festsetzen.

Die gefrierende Phase erscheint in vielen Regionen eher unwahrscheinlich. Dort
wo der Niederschlag flüssig ist, sind die bodennahen Temperaturen und Beläge
zumeist positiv, während in den Regionen mit gefrorenen Böden die
Niederschlagsphase eher fest ist. Das größte Potential für gefrierenden Regen
ergibt sich im Übergangsbereich in den westdeutschen Mittelgebirgen, wo auch die
Beläge noch häufig negativ sind und am ehesten die Phase noch flüssig ist.

Rückseitig der Frontpassage frischt der Wind weiter auf, sodass an der Nordsee
Windböen und einzelne stürmische Böen zu erwarten sind. Auch in höheren
Berglagen kann es zu stürmischen Böen kommen.


Dienstag... liegt Deutschland unter Einfluss des sich amplifizierenden
Höhentrogs, der mittlerweile ein eigenständiges Zentrum ausgebildet hat. Das
Bodentiefzentrum liegt über Norddeutschland. Die Niederschläge konzentrieren
sich dann auf die Mitte und den Süden. Während über den mittleren Landesteilen
tagesgangbedingt und bei fortschreitender Durchmischung die Niederschläge in
Regen übergehen und dort wo Schnee liegt, Tauwetter einsetzt, muss nach Südosten
bis zu den Mittagsstunden weiterhin mit Schnee gerechnet werden. Dort entspannt
sich die Lage erst im Laufe des Nachmittags. Im höheren Bergland bleibt es
ganztags winterlich mit Höchstwerten um den Gefrierpunkt. Gerade im südlichen
und östlichen Bergland bleibt es dauerfrostig und zeitweise schneit es.

Im Nordwesten kann sich mit Höchstwerten bis 9 Grad die milde Meeresluft
durchsetzen. Dort zeigt sich auch ab und an mal die Sonne, während es sonst
vielfach grau bleibt. Der Wind weht vor allem noch an der Nordsee und im höheren
Bergland zeitweise stark böig aus Nord bis Nordwest.

In der Nacht auf Mittwoch rutscht das Höhentief weiter über die Alpen in
Richtung des westlichen Mittelmeerraums ab. An seiner Nordflanke kann sich der
Hochkeil über die Britischen Inseln bis zur Nordsee ausweiten. Damit steigt auch
das Druckniveau am Boden wieder an. Während es zunächst noch leichte
Niederschläge von der Mitte bis in den Süden gibt, lassen diese im Verlauf der
Nacht immer mehr nach. Vor allem nach Südosten kann es bis ganz runter Schnee
geben. Zudem muss in der Südosthälfte mit leichtem Frost und gebietsweise Glätte
gerechnet werden. Im Bergland bleibt es allgemein winterlich.

In der Nordwesthälfte ist es bei vielen Wolken weitgehend frost- und damit
warnfrei.



Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle zeigen im Kurzfristbereich allgemein Einigkeit. Etwas unsicher ist
noch, wie schnell die frontalen Niederschläge in der Nacht auf Dienstag
südostwärts vorankommen und wie lange die Niederschläge mit dem Höhentief am
Dienstag und in der Nacht auf Mittwoch noch anhalten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer
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