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DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

26-11-2020 12:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 26.11.2020 um 10.30 UTC



Ruhiges Spätherbstwetter, dabei leichte Abkühlung, im Bergland ab Dienstag
Schnee.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 03.12.2020


Sonntag...bzw. zum Montag hin nimmt das Höhentief über Osteuropa mehr
Tuchfühlung zu einem in Richtung Nordmeer ziehenden Trog auf und schwächt damit
die Geopotentialbrücke über der Nordsee bzw. Südskandinavien. Mitteleuropa
verbleibt aber weiter unter hohem Potential. Sowohl im Geopotenzial auf 500 hPa
als auch im Bodendruckfeld zeigt sich eine teils zonal ausgerichtete
Geopotenzial- bzw. Hochdruckbrücke, die hohes Geopotenzial bzw. hohen Luftdruck
vom Nordatlantik bis östlich des Urals verbindet. Nichtsdestotrotz dominiert
insgesamt weiter der östliche bis nördliche Wind, der die kältere Luft weiter
nach Süden und Westen vordringen lässt. Zudem bleibt es dort bei der
Hochdrucklage mit teils Hochnebel, teils Sonne. Im Nordosten und Osten kann es
am Rande des Höhentiefs etwas Regen, im Bergland etwas Schnee geben.
Gleichzeitig gehen sowohl die 850 hPa-Temperatur (Spanne zwischen -5 Grad in der
Osthälfte bis +4 Grad im Südwesten und Westen) als auch die Tagesmaxima (2 bis 7
Grad) im Vergleich zum Vortag etwas zurück. Im Bergland ist bei Aufklaren nachts
mäßiger Frost zu erwarten. Die schwachen Niederschläge können in der Osthälfte
nachts zu Glätte führen.

Montag... schwenkt der Trog vom Nordmeer mehr nach Skandinavien, wobei sich über
dem Ostseeraum bis Dienstagfrüh ein kleinräumiges Tief bildet. Dies spaltet die
Geopotenzial- bzw. Hochdruckbrücke in eine West- und eine Osthälfte und lässt
den Wind von Norden her allmählich von Nordost auf
Südwest drehen. Zudem frischt dieser in der Nacht zum Dienstag im Küstenumfeld
stark, exponiert auch teils stürmisch auf. Im Norden sorgt diese
Tiefdruckaktivität auch für Regen, anfangs je nach Timing in der Nacht zum
Dienstag auch mit möglicher Glättebildung, ansonsten bleibt es bei
Hochdruckwetter. Die 850 hPa-Temperatur gleicht sich deutschlandweit bis
Dienstagfrüh etwas an, d.h. im Westen und Südwesten Rückgang auf +1 bis -2 Grad,
nach Osten hingegen leichter Anstieg auf Werte zwischen -4 und -2 Grad. Die
Tagesmaxima steigen nur im Küstenumfeld leicht an, sonst ändern sich diese kaum.


Dienstag und Mittwoch...tropft der skandinavische Trog unter
Geopotenzialanstieg, ausgehend von Südwesteuropa über die Nordsee bis nach
Skandinavien reichend, auf der Vorderseite eines Langwellentroges über dem
Nordatlantik ab und zieht in der Nacht zum Mittwoch entweder ins östliche
Mitteleuropa (GFS) oder direkt nach Mitteleuropa (IFS, ICON). Das Bodentief
zieht dabei unter leichter Abschwächung ebenfalls südwärts. Dazu werden dann
doch recht flächige Niederschläge über Deutschland (Schwerpunkt zunächst
Osthälfte, später auch im Süden und nach Westen hin) simuliert, die im mittleren
und oberen Bergland bei zurückgehenden 850 hPa-Temperaturen auf Werte zwischen
-3 und -6 Grad durchweg als Schnee fallen dürften. Die Tagesmaxima am Boden
liegen in der Südosthälfte nur noch bei 0 Bis 5 Grad, im Westen und Nordwesten
bis etwa 7 Grad. Die Schneefallgrenze sinkt damit im Osten und Süden bis in
tiefere Lagen. ICON simuliert in den östlichen Mittelgebirgen gar 10 bis 20 cm
Neuschnee bis Mittwochfrüh. An der Küste sind steife Böen, exponiert auch
stürmische Böen aus nördlicher Richtung zu erwarten. Am Mittwoch soll das
abgetropfte Höhentief noch etwas west- bis südwestwärts wandern, obwohl dann die
Unsicherheiten doch erheblich zunehmen. Möglich ist eine High-Over-Low-Lage mit
dem entsprechend hohen Geopotenzial von den Britischen Inseln bis nach
Südskandinavien (zonal ausgerichtet). Bei einer eher meridionalen Ausrichtung
der Geopotenzialbrücke wiederum könnte unser Höhentief auch ohne Probleme gen
Süden wandern. Ebenso könnte das Höhentief bei Westverlagerung Tuchfühlung
aufnehmen mit dem erneut nach Süden austrogenden Langwellentrog etwa westlich
der Britischen Inseln aufnehmen (IFS Hauptlauf, ICON nur angedeutet, dort
deutliche Amplifizierung und Verkürzung der Wellenlänge des Langwellentroges).

Die Verhältnisse sollten sich wettertechnisch für Deutschland gegenüber Dienstag
jedoch voraussichtlich zunächst kaum ändern - die Regen- und Schneefälle könnten
sich insgesamt etwas mehr nach Süden und Westen verlagern und dabei abschwächen.
Die Tagesmaxima steigen im Westen und Nordwesten noch etwas an, sonst verharren
diese bei 1 bis 6 Grad.

Donnerstag...könnte Deutschland bis Freitagfrüh durch Einfangen des Höhentiefs
(falls diese Variante greift) durch den weiter abtropfenden Langwellentrog über
Südwesteuropa und den Britischen Inseln (Ausbildung eines Höhentiefkomplexes)
mehr auf dessen Trogvorderseite gelangen. Allerdings ist wie bereits beschrieben
die Unsicherheit bezüglich Verbleib unseres Höhentiefs über Mittel- und
Westeuropa relativ unsicher. Ein Trend zu einer durchgreifenden Zonalisierung
ist auch aufgrund vorhandener bzw. sich neu aufbauender Blockierungen sowohl auf
dem Nordatlantik als auch über Nord- und Nordosteuropa schwer auszumachen.
Steigendes Geopotenzial und auch der 850 hPa-Temperaturen von Südwesten her sind
bei uns durchaus möglich (siehe Rauchfahnenanalyse). Leichte Niederschläge
werden ebenso simuliert.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des aktuellen Laufs in Bezug auf die Vorläufe ist rein synoptisch
gesehen bereits ab Sonntag nicht mehr gegeben. Die genaue Lage und Ausprägung
des Höhentiefs über Osteuropa (und dessen Einfluss auf Mitteleuropa), am Rande
hohen Luftdrucks über Mitteleuropa und Skandinavien bringen die Deterministik
gehörig durcheinander. Die Auswirkungen auf die Temperaturen und Niederschläge
sind allerdings zunächst gering. Der zweite Abtropfprozess über Mitteleuropa bei
ähnlicher synoptischer Konstellation zum Mittwoch hin ändert an den Temperaturen
in Bodennähe wenig (etwas niedriger als in den Vorläufen), obwohl die Temperatur
in 850 hPa deutlich geringer simuliert wird (Höhentiefkomplex über
Mitteleuropa). Allerdings wird bei dieser Konstellation am Mittwoch und teils
auch am Donnerstag in der Fläche deutlich mehr Niederschlag simuliert als in den
Vorläufen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Im Prinzip sehen die Globalmodelle (GFS, ICON) die großräumigen synoptischen
Strukturen ähnlich, einschl. bekannte Unsicherheiten bei Höhentiefentwicklung,
-verlagerung und -ausprägung. Allerdings macht GFS beim Abtropfen zum Mittwoch
eine andere Lösung (mehr nach Osteuropa und schwächeres Höhentief). ICON und IFS
sind sich bis Donnerstag relativ einig, Unterschiede bauen sich in der Folge auf
in Bezug auf die Ausprägung des amplifizierten Troges über dem Atlantik und die
eventuelle Einbindung des Höhentiefs über Mittel- bzw. Westeuropa.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Eine Clusteranalyse sowohl bei IFS als auch bei GFS erscheint gerade im
entscheidenden für die Mittelfrist Zeitraum von Dienstag bis Donnerstag recht
müßig. Werden doch eine Vielzahl von Lösungen (6 gruppierte Cluster allein bei
IFS) angeboten. Daher schauen wir direkt auf die Rauchfahnen ausgewählter Orte
in Deutschland: Hier zeigt sich die erwähnte Konsistenz bezüglich
Temperaturwerte (850 hPa, 2m) sehr deutlich - bis Mittwoch/ Donnerstag weiter
leicht sinkend, dann erneut Trend zum Anstieg. Der Peak der Niederschläge für
Dienstag/ Mittwoch ist sowohl im Norden und Osten als auch später im Süden
deutlich zu erkennen. Als Fazit kann nochmals festgehaltenen werden, dass zwar
teils enorme synoptische Unterschiede zu erkennen sind, die sich aber zumindest
in Bezug auf Temperatur und Niederschlag für Deutschland nicht in dramatischer
Form auswirken.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Dienstag und Mittwoch sind im höheren Bergland 15 bis 25 cm Neuschnee
möglich, örtlich auch noch etwas mehr. Ansonsten sind am Montag und Dienstag nur
im Küstenumfeld Böen der Stärke 8 möglich. In der Nacht zum Dienstag könnte im
Norddeutschen Tiefland Regen mit Glatteis auftreten.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, GFS-EPS, ICON, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Dr. Jens Bonewitz
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