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DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

29-10-2020 18:30
SXEU31 DWAV 291800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 29.10.2020 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Ab heute Abend im Harz Dauerregen mit Mengen zwischen 30 und 50 mm bis
Freitagabend, auf exponierten Bergen Sturmböen.
Am Samstag Wetterberuhigung und im Westen und Süden sehr mild mit sonnigen
Abschnitten.
Am Sonntag erneut Sturmböen auf den Bergen, ab dem Abend über der Nordsee
stürmische Böen.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC
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Aktuell ... Die Warmfront eines Tiefs westlich von Schottland überquert weite
Teile Deutschlands ostwärts und erreicht bis zum Morgen etwa eine Linie
Holstein-Sachsen. Hinter der Warmfront verstärkt sich durch kräftige WLA ein
Höhenrücken, der mit seiner Achse um 06 UTC Nordfrankreich und die Zentrale
Nordsee erreicht. Vor der Warmfront hat sich ein recht intensives Regengebiet
gebildet, das meist Regenmengen zwischen 3 und 10 mm in 12 Stunden, im Norden
und in den zentralen sowie östlichen Mittelgebirgen und im Alpennordstau auch 10
bis 15 mm, in exponierten Staulagen auch 20 bis 25 mm bringt. Sehr exponiert
sind auch Dauerregenmengen möglich (vor allem Harz, bedingt auch
Westerzgebirge). Ganz im Nordosten fängt es erst gegen Morgen an zu regnen und
im Südwesten lässt der Regen postfrontal nach.
Zwischen dem kräftigen Hoch über Südfrankreich sowie über den Westalpen und dem
Tief bei Island bleibt der Wind auch im Warmsektor noch recht kräftig.
An der Nordsee frischt er im Warmsektor auf und bringt gegen Morgen 7er Böen.
Auf exponierten Bergen sind Sturmböen, auf dem Brocken auch schwere Sturmböen
möglich.

Freitag ... wandert der Höhenrücken nach Deutschland, wodurch die Frontalzone
nach Norden gedrückt wird.
Die Warmfront des Richtung Island ziehenden Tiefs kommt allmählich weiter
ostwärts voran und erreicht abends den Westen und Süden Polens bzw. Tschechien,
während die Kaltfront über dem äußersten Nordwesten Deutschlands, der Nordsee
und den Britischen Inseln ins Schleifen gerät und verwellt. Somit bleibt es im
Norden und Osten des Landes bis in die mittleren Landesteile noch längere Zeit
bedeckt und regnerisch, wobei nochmals 1 bis 9 mm Regen (im Harz und Erzgebirge
auch 10 bis 20 mm(Euro4,IFS)) zusammenkommen. Damit ergeben sich 24stg im Harz
Regenmengen über 30 mm (vor allem bei Euro4 und IFS).
Die Annäherung des Rückens führt allgemein zu Druckanstieg, der im Südwesten und
Süden etwas stärker ausfällt (Hochzentrum um 18 UTC in Südbaden). Somit bleibt
ein gewisser Gradient erhalten und in den Kamm- und Gipfellagen der
Mittelgebirge und der Alpen weht weiter kräftiger Westwind mit stürmischen Böen
oder Sturmböen, auf dem Brocken auch Böen Bft 10. In den Niederungen reicht es
lediglich an der Nordsee sowie in einigen freien windexponierten Lagen für
steife Böen. Nachmittags und abends beginnt der Gradient von Südwesten her
aufzufächern und der Wind nimmt langsam ab.
Während es in weiten Teilen des Landes noch stark bewölkt bis bedeckt bleibt,
kann sich im Südwesten und an den Alpen zunehmend die Sonne durchsetzen. Die
Advektion milder Biskayaluft im Warmsektor verstärkt sich und kann sich zögernd
auch niedertroposphärisch durchsetzen, so dass die Temperatur in 850 hPa bis zum
Abend auf 4 bis 8 Grad steigt. Somit bleibt es mit Höchstwerten zwischen 12 und
16 Grad auch unter den dichten Wolken mild, mit etwas Sonne können am Oberrhein
sogar bis zu 18 Grad erreicht werden.

In der Nacht zum Samstag setzt sich der Trogvorstoß westlich der Britischen
Inseln fort und generiert auch im Bodenfeld eine markante Zyklogenese vor der
irischen Nordwestküste. Der Höhenrücken über Mitteleuropa wird dadurch weiter
durch WLA gestützt, kommt kaum nach Osten voran und verstärkt sich.
Die Kaltfront des Tiefs bei Island bzw. eines sich inzwischen im Lee des
Norwegischen Gebirges über Südschweden entwickelten Teiltiefs wird über der
Nordsee rückläufig und geht über in die Warmfront des in der Früh sich zu einem
Sturmtief gemauserten Tiefs westlich von Irland. Somit bleibt bzw. gerät das
gesamte Vorhersagegebiet innerhalb des Warmsektors. Dabei verstärkt sich der
Hochdruckeinfluss vor allem in der Südhälfte weiter und der Gradient fächert
auch im Norden und Osten deutlich auf. Nach und nach schwächt der Wind auch in
den Hochlagen weiter ab, zuletzt auf dem Brocken sowie in den Kamm- und
Gipfellagen der östlichen Mittelgebirge.
Während die Wolken im Westen und Süden zunehmend auflockern, sich dort dann aber
innerhalb der recht feuchten Grundschicht ausgedehnte Nebelfelder entwickeln
können, bleibt es im Norden und Osten überwiegend trüb und bedeckt und
gebietsweise fällt dort noch Regen. Im äußersten Süden, vor allem in den
Alpentälern, kühlt es bei länger klarem Himmel auf unter 5 Grad, in ungünstigen
Lagen auf nahe 0 Grad ab, sonst bleibt es mit 12 bis 6 Grad mild bis sehr mild.

Samstag ... verschärft sich der Höhentrog über dem nahen Ostatlantik, wovon das
o. e. Bodentief NINA profitiert. Es vertieft sich auf rund 970 hPa (24 UTC),
während es an den Hebriden vorbei zu den Shetlands zieht. Die Warmfront
überquert den Norden und Nordosten des Landes, wobei sie rasch an
Wetterwirksamkeit verliert. Oder anders ausgedrückt, am Morgen und am Vormittag
noch ein paar Tropfen, später wie auch schon in den übrigen Regionen trocken und
von Südwesten her Auflockerungen. Da die Kaltfront zumindest tagsüber noch außen
vor bleibt (liegt mittags etwa über England), verbringen wir auch den letzten
Tag des Oktobers im Warmsektor, der mit Unterstützung des nur langsam ostwärts
abwandernden Höhenrückens vergleichsweise antizyklonal aufgestellt ist. Am Boden
korrespondiert der Rücken mit einer Hochdruckzone, die von Nordwestrussland bis
zum Balkan reicht.
So setzt sich vor allem in der Südwesthälfte häufig die Sonne durch, wenn man
mal von einigen zähen Nebelfeldern in den großen Flusstälern absieht (besonders
Bodensee, Donau). Und es sollte an einem 31. Oktober nicht verwundern, wenn er
sich vereinzelt gar nicht auflöst, zumal nennenswerter Wind nicht zu erwarten
ist.
Stichwort Wind, der legt am Samstag tagsüber allgemein eine Pause ein, auch auf
den Bergen (Ausnahme: Brocken). Mit Winddrehung auf Südwest wird
niedertroposphärisch deutlich mildere Luft herangeführt, in der die
850-hPa-Temperatur bis zum Abend mit Ausnahme des äußersten Ostens und
Nordostens auf beachtliche 10 bis 14°C steigt. Dass das nicht ohne Folgen für
die 2m-Temperatur bleibt, ist offensichtlich: 13 bis 19°C lautet die Spanne der
Höchsttemperatur, lediglich bei zähem Nebel wird es nicht so warm.
Kurz noch die Nacht zum Sonntag, in der der Höhentrog über die Nordsee nach
Südskandinavien vorstößt. Dabei "drückt" er die vorlaufende Kaltfront in den
Westen und Norden Deutschlands, wo es vorübergehend regnet. Außerdem frischt der
südliche, mit Frontdurchgang auf Südwest bis West drehende Wind an und auf der
Nordsee sowie in den Hochlagen wieder auf mit Böen 7-8 Bft, exponiert 9 Bft. Der
Süden und Südosten bekommt davon (also von Wind UND Kaltfront) wenig bis nichts
mit, was dem Nebel Gelegenheit bietet, sich wieder auszubreiten bzw. neu zu
bilden.

Sonntag ... Der nach Süden zurückhängende Kurzwellentrog schwenkt über
Deutschland hinweg nach Polen und dahinter wandert unter Verstärkung ein neuer
Höhenkeil nach Deutschland. Die o. e. Kaltfront zieht rasch vom östlichen
Deutschland unter Abschwächung ebenfalls nach Polen und wird über der Mitte
Deutschlands rückläufig. Auch am Boden schwenkt nämlich ein Hochkeil durch, so
dass der Wind rückseitig auf Süd bis Südwest dreht. Über dem Atlantik gibt es
erneut eine markante Zyklogenese mit Zentraltiefentwicklung südlich von Island
(Kerndruck des Bodentiefs um 18 UTC knapp unter 955 hPa). Vor der Warmfront des
Tiefs baut sich im Tagesverlauf WLA auf, die die Mitte und den Norden
Deutschlands ´überflutet´. Entsprechend überwiegen im Norden und in der Mitte
die Wolken und zeitweise regnet es etwas (zum einen durch die absterbende Front,
die rückläufig wird und gegen Abend durch die auf Nordwestdeutschland
übergreifende Warmfront). Mit Annäherung der Warmfront nimmt der Gradient von
Westen wieder zu und auf exponierten Bergen gibt es erneut Sturmböen, auf dem
Brocken auch schwere Sturmböen. An der Nordsee muss ab dem Abend mit stürmischen
Böen gerechnet werden.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die großräumige Verteilung der Basisfelder wird von den externen Modellen
ähnlich simuliert.
Vor allem von CosmoLEPS werden für die Staulagen des Harzes erhöhte
Wahrscheinlichkeiten für Dauerregen berechnet (bei rund 30 Prozent).


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden
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