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Thema des Tages

29-10-2020 09:20

Laubfärbung und Laubfall


Zwei alte Bauernregeln besagen: "Fällt das Laub zeitig im Garten, ist
schöner Herbst und gelinder Winter zu erwarten." und "Hängt das Laub
bis November hinein, wird der Winter lange sein." Was ist an diesen
Bauernregeln dran?


Am Samstag sorgt Zwischenhocheinfluss abseits der Nebel- und
Hochnebelfelder für sonniges und mildes Wetter. So können wir dort
wenigstens einen Hauch von ?Goldenem Oktober? erleben. Der Samstag
bietet die beste Gelegenheit, einen Spaziergang in den Wäldern zu
unternehmen, um die derzeit prächtige Laubfärbung zu genießen. Es
ranken sich viele Mythen um die Laubfärbung und ihren Zusammenhang
mit dem kommenden Wetter. So besagen zum Beispiel zwei alte
Bauernregeln: "Fällt das Laub zeitig im Garten, ist schöner Herbst
und gelinder Winter zu erwarten." und "Hängt das Laub bis November
hinein, wird der Winter lange sein." Doch was ist an diesen
Bauernregeln dran?

Dazu soll zunächst einmal erklärt werden, warum die Bäume im Herbst
ihr Laub verlieren. Bäume gewinnen ihre Energie aus Sonnenlicht durch
Fotosynthese. Dazu benötigen sie Chlorophyll, den grünen
Blattfarbstoff. Wegen mangelndem Licht und der zunehmenden Kälte kann
die Fotosynthese im Winter nicht stattfinden. Des Weiteren verlieren
Laubbäume über ihre Blätter viel Wasser, das im Winter bei gefrorenem
Boden durch die Wurzeln nur schwer nachgeliefert werden kann. Deshalb
ziehen Laubbäume im Herbst alle Nährstoffe aus den Blättern zurück.
Dabei wird das grüne Chlorophyll in den Blättern abgebaut werden.
Zurück bleiben gelbe und rote Blattfarbstoffe (Carotinoide und
Anthozyane), die langsamer abgebaut. Dadurch entsteht die typisch
leuchtend rote und gelbe Färbung der Blätter, wie sie sich derzeit in
der Natur überall beobachten lässt. Sind dem Blatt alle Nährstoffe
entzogen, wächst eine Trennschicht zwischen Blattstiel und Zweig. Nun
genügt ein leichter Windstoß, um das Blatt vom Baum zu trennen.

Durch die Laubfärbung beziehungsweise den Laubfall wird in der
Phänologie unter anderem auch der Beginn des Vollherbstes und des
Spätherbstes definiert. Die phänologischen Jahreszeiten richten sich
nach den für die Jahreszeit charakteristischen Entwicklungsstadien
verschiedener mitteleuropäischer Pflanzen. Der Vollherbst beginnt,
wenn Rosskastanie, Esche und Rotbuche ihr Laub verfärben. Der
Spätherbst beginnt, wenn diese Baumarten ihr Laub verlieren,
beziehungsweise die Laubfärbung der Stiel-Eiche beginnt.

Ausgelöst wird dieser Prozess durch die sich verkürzende Tageslänge
und die sinkende Temperatur. Nach mehreren kühlen Nächten wird das
Chlorophyll entsprechend schneller abgebaut. So richten sich die
Blattfärbung und der Laubfall nach dem vorherrschenden Wetter im
Herbst anstatt nach der Witterung im kommenden Winter. Deshalb lassen
sich auch mit diesen Bauernregeln keine Aussagen über den Verlauf des
kommenden Winters treffen. Betrachtet man die Laubfärbung am Beispiel
der Stiel-Eiche, so lässt sich feststellen, dass diese dieses Jahr
etwa 4 Tagen später eingesetzt hat, als im langjährigen Mittel. Zwar
gab es im Oktober immer wieder kühle Phasen, dennoch fehlten bisher
längere Perioden mit Nachtfrost, die eine schnellere Laubfärbung
begünstigen.


Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.10.2020

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