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DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

28-10-2020 08:01
SXEU31 DWAV 280800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 28.10.2020 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
W z.
Typische zyklonale Westlage. Im höheren Bergland und an der Nordsee zeitweise
stürmische Böen, auf exponierten Berggipfeln Sturm- und schwere Sturmböen bis
Bft 10.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
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Mittwoch... gelangt Deutschland in den Bereich eines breiten Troges, verbleibt
aber noch an dessen Vorderseite. Stromaufwärts zeichnet sich eine Zonalisierung
ab. Mit Annäherung dieses Troges gelangt labil geschichtete Luft in den
Nordwesten Deutschlands, für einzelne kurze Gewitter (durchaus mit stürmischen
Böen) sollte es jedoch nur in Nordseenähe reichen.
Im Bodendruckfeld hat sich eine Hochbrücke etabliert, die vom Azorenraum über
die Ungarische Tiefebene hinweg nach Nordosten reicht und eine Verbindung zu dem
über Russland liegenden Hoch darstellt. Zwischen dieser Brücke und einem sich
südwestlich von Island entwickelnden Zentraltief (dem ehemaligen Hurrican
"Epsilon") ist ebenfalls eine westliche, über Mitteleuropa südwestliche Strömung
zustande gekommen. Zwar fächert nach Abzug eines okkludierten Frontensystems der
Gradient auf, so dass der Wind, abgesehen von exponierten Berggipfeln und der
Nordseeküste, vorerst nicht warnrelevant ist. Im Tagesverlauf legt der Gradient
jedoch erneut zu, so dass im höheren Bergland stürmische Böen dann wieder
wahrscheinlicher werden. Neben der Nordseeküste, wo in Nordfriesland auch
stürmische Böen zu erwarten sind, können auch an der Ostseeküste sowie in
einigen freien Lagen Nordwest- und Westdeutschlands Windböen nicht ganz
ausgeschlossen werden.
Auflockerungen kommen an ehesten im Norden, Westen und in Teilen der Mitte und
dort vor allem in den Leegebieten der Mittelgebirge zustande. Dann sind
Temperaturmaxima bis 15 Grad möglich. Ansonsten hält sich aufgrund der
schleifend abziehenden Okklusionsfront meist mehrschichtige Bewölkung, wobei
sich die Temperaturen zwischen 8 und 13 Grad bewegen.

In der Nacht zum Donnerstag greift der o.g. Trog auf Deutschland über, wodurch
landesweit schauerartige Niederschläge aufkommen. Einzelne kurze Gewitter
(durchaus mit stürmischen Böen) können auch von der Nordsee her etwas weiter
landeinwärts ausgreifen. Im Bereich dieses Troges, der sich auch im
Bodendruckfeld abzeichnet, kommt der Wind nicht zur Ruhe. Frost und Nebel
sollten nicht auftreten.

Donnerstag... folgt dem Trog ein breiter Rücken, der durch kräftige
Warmluftadvektion an dessen Nordflanke gestützt wird und die im Tagesverlauf
dann auch Deutschland erfasst. Diese Warmluftadvektion steht in Verbindung mit
der Warmfront eines kräftigen Tiefs, das an der Südflanke des sich bei Island
entwickelnden Zentraltiefs in das Seegebiet vor Schottland gesteuert wird.
Während der ostwärts abziehende Trog im Osten und vor allem im Süden
Deutschlands noch für eine rege Niederschlagstätigkeit sorgt, setzt, bedingt
durch Warmluftadvektion, von Nordwesten und Westen her alsbald Stabilisierung
ein. Dennoch bleibt ein kräftiger Gradient bestehen, so dass nach einem
vorübergehenden Abflauen des Windes, das nach Trogpassage erfolgt, der Wind
erneut auflebt. Daher treten dann vermehrt in freien Lagen Windböen auf, im
höheren Bergland und an einigen Küstenabschnitten muss mit stürmischen Böen und
auf exponierten Gipfeln mit Sturm- und schweren Sturmböen gerechnet werden. Mit
der Annäherung der Warmfront setzt in der zweiten Tageshälfte im Westen Regen
ein. Ein paar Wolkenlücken kommen nur im Norden und Nordosten zustande, was
durch die trogbedingte Durchmischung bedingt ist. Ansonsten hält sich
mehrschichtige und meist geschlossene Bewölkung. Die Tageshöchsttemperaturen
erreichen 8 bis 13 Grad.

In der Nacht zum Freitag arbeitet sich der Höhenrücken bis in die Nordsee vor,
so dass die nordwestliche Strömung bestehen bleibt. Die darin eingelagerte
Warmfront des vor Schottland liegenden Tiefs rückt schleifend über die
Mittelgebirge hinweg ostwärts vor. Zwar bringt diese Front länger andauernde
Niederschläge zustande, für warnrelevante Regenmengen sollte es selbst in den
Staulagen der Mittelgebirge nicht reichen. Allenfalls für den Bayerischen Wald
und den östlichen Alpenrand ergeben sich schwache Signale, die auf exponierte
Staulagen beschränkt sind. Eine Warnung vor Dauerregen drängt sich daher nicht
unbedingt auf. Während in tieferen Lagen und auch größtenteils an der Küste der
Wind einschläft, muss auf höheren Berggipfeln jedoch weiterhin mit Sturmböen Bft
8/9 gerechnet werden. Wie bereits in der Nacht zuvor sollte es weder Frost noch
Nebel geben.

Freitag... greift der o.g. Rücken auf Deutschland über, wodurch die Frontalzone
nach Norden gedrückt wird. Hierdurch zieht die Warmfront des sich nunmehr in das
Seegebiet östlich von Island verlagernden Tiefs nach Osten ab, sorgt aber noch
in den nordöstlichen Landesteilen für zeitweise Niederschläge. Mit dem Abzug der
Warmfront setzt sich im Bereich eines breiten Warmsektors sehr milde Luft durch.
In dessen Bereich bleibt der Gradient relativ kräftig, so dass sich an der
Windsituation nicht allzu viel ändert (Sturmböen Bft 8/9 im höheren Bergland,
exponiert Bft 10, Windböen Bft 7 an einigen Küstenabschnitten (vor allem
Nordsee) sowie in freien Lagen). Erst zum Abend hin weicht der Gradient etwas
auf, wodurch dann Sturmböen Bft 8/9 auf höhere Gipfel der nördlichen und
östlichen Mittelgebirge beschränkt sind.
Auflockerungen kommen postfrontal in den südwestlichen Landesteilen und mit
geringerer Wahrscheinlichkeit auch südlich der westlichen Mittelgebirge
zustande. In diesen Gebieten sind Temperaturmaxima um 16 Grad zu erwarten,
während sich sonst Höchstwerte zwischen 9 und 14 Grad einstellen.

In der Nacht zum Samstag folgt dem weiterhin über Mitteleuropa liegenden Rücken
ein kräftiger Trog, der sich bis ins Seegebiet vor Irland verlagert. Dieser Trog
induziert unmittelbar westlich von Irland eine markante Zyklogenese. Das sich
dort entwickelnde Sturmtief lässt die Kaltfront des östlich von Island liegenden
Tiefs noch über der Nordsee rückläufig werden, so dass der Warmsektor über
Mitteleuropa bestehen bleibt. Im Süden und später auch in den mittleren Gebieten
weicht der Gradient zusehends auf, so dass warnrelevante Böen (anfangs auch
Sturmböen Bft 8/9) auf exponierte Gipfel der nördlichen und östlichen
Mittelgebirge beschränkt sind. Vor allem südlich der Mittelgebirge kann sich
dann teils dichter Nebel bilden.

Modellvergleich und -einschätzung
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Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung.
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten
Unterschiede ableiten. Allenfalls lässt sich herausarbeiten, dass nach EZMW die
Warmfront in der Nacht zum Samstag langsamer nach Osten gedrückt wird, so dass
in der Nacht zum Samstag die Niederschläge in den östlichen Landesteilen noch
längere Zeit andauern.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann
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