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DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

25-10-2020 11:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 25.10.2020 um 10.30 UTC



Wechselhaft und mild bei vorübergehender Zonalisierung.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 01.11.2020


Am Mittwoch greift von Westen her ein flacher Trog über mit dem sich die
Strömung über Mitteleuropa deutlich zonalisiert. Rückseitig der Okklusion eines
Tiefs über der Nordsee strömt erwärmte Meereskaltluft nach Deutschland, in der
es zu einzelnen Schauern kommt. Erst mit Annäherung des Troges nimmt die
Schauerneigung wieder stärker zu. Vor allem nach Westen und Norden hin ist der
Druckgradient gut ausgeprägt, so dass von lebhaftem Südwestwind ausgegangen
werden darf mit Sturmböen an den Küsten und im höheren Bergland.
Am Donnerstag wird die nach Mitteleuropa gerichtete Frontalzone durch kräftige
Warmluftadvektion über Westeuropa antizyklonal deformiert. Während sich das
hochreichende Tief bei Island sich tendenziell eher nach Westen entfernt, zieht
eine sich nur wenig entwickelnde Welle nach Schottland. Dessen Warmfront nähert
sich über Frankreich und Benelux mit der erwähnten massiven WLA und lässt im
Westen, Süden und der Mitte länger anhaltenden Regen aufkommen. Der Gradient
nimmt wieder zu, was auch den Wind wieder in den Focus rückt mit Sturmböen an
den Küsten sowie im höheren Bergland.
Am Freitag amplifiziert sich der Rücken über Westeuropa und weitet sich nach
Skandinavien aus. Dabei dreht die Strömung bei uns auf Nordwest, was die
Warmfront über der Mitte unseres Landes ins Schleifen kommen lässt. Dabei kann
sich auch eine Warmfrontwelle bilden. Es kommt damit zu weiteren, teils länger
anhaltenden Regenfällen vom Westen über die Mitte bis in den Südosten. Da die
gehobene Luft einen hohen Wassergehalt von teilweise 30 mm PPW aufweisen kann,
sind ergiebige Regenfälle möglich, die nicht nur in Staulagen Warnschwellen
erreichen können. Vor allem auf der warmen Seite des Tiefausläufers, bzw. an der
SW-Flanke der Welle bleibt der Gradient erhöht mit Sturmböen im Bergland.
Am Samstag schwenkt der Höhenrücken mit seiner Achse nach Deutschland und drängt
die Warmfront nach Osten ab. Vor allem dort aber auch im Süden kann es
staubedingt noch längere Zeit regnen. Ansonsten beruhigt sich das Wetter im
Bereich einer Bodenhochdruckzone, die von Südwesteuropa über Mitteleuropa bis
nach Finnland reicht. Allerdings weitet sich schon wieder die Frontalzone vom
Nordatlantik in den Nordwesten des Kontinents aus.
Zum Sonntag macht dieser Prozeß weitere Fortschritte und mit einer
Sturmtiefentwicklung bei Schottland frischt zum einen der Wind nach Nordwesten
zu wieder stärker auf, zum anderen nähern sich die zugehörigen Tiefausläufer dem
Nordwesten. In den anderen Landesteilen hält sich die zurückweichende
Hochdruckzone noch mit ruhigem, tagsüber häufig mildem Herbstwetter.
In der erweiterten Mittelfrist verstärkt sich der antizyklonale Einfluss wieder,
nachdem uns die Kaltfront des erwähnten Sturmtiefs südwärts überquert hat.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des IFS ist insgesamt gut. Vor allem anfangs entsprechen sich die
letzten Lösungen weitgehend. Erst mit der Entwicklung zum nächsten Wochenende
divergieren die Modellaussagen stärker. Der sich aufwölbende Hochkeil wird in
Phase und Amplitude unterschiedlich simuliert, was dann auch zur Folge hat, dass
die Entwicklung stromab mit der schleifenden Warmfront und er entsprechende
Welle, alles andere als sicher ist. Der Vorlauf hatte zwar schon eine ähnliche
Lösung parat, der gestrige 00z Lauf sah die Warmfront, ohne Welle viel weiter im
Norden und ohne die hohen Regensummen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Bis zum Donnerstag sind keine großen Unterschiede zwischen ICON, IFS und GFS zu
finden. Außer das GFS die Frontalzone weiter im Norden platziert und den Trog
rascher abziehen lässt. Am Freitag hat ICON eine ähnliche Entwicklung auf der
Karte, wie das IFS. GFS ähnelt dagegen mehr dem gestrigen 00 Z Lauf des IFS mit
der weit im Nordosten ansetzenden Warmfront. Es zeigt übrigens auch eine
entsprechende Welle, allerdings zieht sie von der Ostsee nach Polen.
Am Wochenende schlägt sich dann GFS auf die Seite des IFS. Dann nimmt ICON die
Außenseiterlösung ein und belässt den Höhenrücken hartnäckig mit seiner Achse
über uns.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Ensembles stützen anhand der Rauchfahnen vor allem in den ersten Tagen die
Aussagen des Hauptlaufs. Im Norden und Osten gibt es ab Freitag Unsicherheiten,
da der Spread deutlich zunimmt, nach Südwesten hin ist das erst am Wochenende
der Fall. Es scheint sich für den Donnerstag und Freitag ein
Niederschlagsmaximum heraus zu kristallisieren, da auch die Ensembles mit
verstärkten Regensignalen aufwarten. Im Nordosten um einen Tag nach hinten
verschoben, obwohl da der Hauptlauf nur wenig Regen macht. Einige Member haben
da den gestrigen Fahrplan oder die GFS Lösung in der Hand mit der Warmfront im
Nordosten. Mit den Temperaturen und dem Geopotential geht leicht schwingend,
aber insgesamt bergauf.

Die 6 Cluster im ersten Zeitschritt unterscheiden sich nicht viel für
Mitteleuropa. Danach werden im Zeitraum bis +168h 3 Cluster gebildet. Sie zeigen
alle den von Westen nach Mitteleuropa hereinziehenden Höhenrücken, allerdings
mit unterschiedlichem Timing und Stärke.
In der erweiterten Mittelfrist zeigt zwar der größte Cluster (16 Member)
vorübergehend eine erneute Zonalisierung, alle anderen (35 Member) sind aber
deutlich stärker antizyklonal aufgestellt, sodass eher von Hochdruckeinfluss,
wie auch immer der geartet sein mag, ausgegangen werden kann.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Mittelfristig ist aus warntechnischer Sicht der Wind weiter ein Thema. Vor allem
an der See und im Bergland kann es zeitweise stürmisch werden. Mit der
Warmfrontwelle am Freitag dann vor allem über der Mitte und im Südwesten. Auch
der Niederschlag ist von Donnerstag bis in die Nacht zum Samstag möglicherweise
warnrelevant. Entsprechende Signale hat auch das EFI auf der Karte und in den
probabilistischen Verfahren zeigen sich Hinweise auf ein Überschreiten der
Warnschwellen im ECM EPS und Cosmo Leps für Donnerstag und Freitag. Im Bergland
sind auch schwache Hinweise auf unwetterartige Regenmengen in diesem Zeitraum
vorhanden.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS EPS und Mos
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner
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