DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

03-07-2020 10:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 03.07.2020 um 10.30 UTC



Nach Kaltfrontpassage ab Montag vorübergehend kühler. Danach wieder zunehmender
Hochdruckeinfluss bei steigenden Temperaturen, im Norden aber zeitweise
wechselhaft. Zum Wochenende Hitze und Blitze möglich.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 10.07.2020


Ein Blick auf den troposphärischen Polarwirbel offenbart am Montagmorgen zum
Beginn der Mittelfrist einen Split, der von Kanada knapp am Nordpol vorbei bis
in die Karasee und bis in den Westen Russlands verläuft. Es verbleiben zwei
Anteile niedrigen Geopotenzials, wovon der größere, der von Nordwest-Amerika
über Grönland bis nach Skandinavien reicht, für uns von Interesse ist.

In diesem Gebilde ist ein Langwellentrog integriert, der Richtung Britische
Inseln und Nordsee gerichtet ist und bis zum Mittwoch unter Amplifizierung und
Verkürzung der Wellenlänge über Mitteleuropa nach Osten durchschwenkt. Am
Mittwochabend wird die Achse auf einer Linie von Nord-Skandinavien über dem
Baltikum bis zur Ukraine zu finden sein. Am Boden korreliert der Langwellentrog
mit einem Tief mit Schwerpunkt zunächst über Skandinavien. Es wird mit der
Trogverlagerung bis zum Mittwochabend in die Barentssee geführt. Die
okkludierende Kaltfront liegt in der Nacht zum Montag bereits diagonal von
Südwest nach Nordost über Deutschland, bis zur Nacht zum Dienstag überquert sie
auch die restlichen Teile des Landes. An den Alpen sorgt dies für Staueffekte.

Postfrontal wird die zuvor in 850 hPa 10 bis 15 Grad warme Luft subtropischen
Ursprungs mit frischerer Meeresluft polaren Ursprungs mit Temperaturen von 1 bis
7 Grad ersetzt. Die Kaltfront an sich ist jedoch trotz hoher Baroklinität in
ihrer Aktivität eingeschränkt, da sie nur geringe Feuchtigkeit mit sich führt
und massiv von Kaltluftadvektion überlaufen wird. Der Trog selber liefert zwar
gewisse Hebungsimpulse durch PVA, diese werden aber von der KLA überkompensiert.
Darüber hinaus macht sich postfrontal ein Rücken bemerkbar, der zu Druckanstieg
bei uns führt und einen Keil eines Azorenhochs zu uns vordringen lässt.

Ab Mittwochabend kommt es zu einem neuen Trogvorstoß Richtung nördliche
Britische Inseln, wobei ein korrespondierendes Bodentief entwicklungsgünstig auf
der Vorderseite des Randtrogs in die nördliche Nordsee gelangt. Ausläufer dieses
Tiefs erfassen am Abend und in der Nacht zum Donnerstag den Norden von
Deutschland. Am Donnerstag erreichen Randtrog und Bodentief Skandinavien. Die
Ausläufer kommen nur noch schleifend bis in die Mitte des Landes voran, sodass
sich im Süden wieder wärmere Luft mit T850 hPa von 10 bis 15 Grad etablieren
kann, während im Norden bei 5 bis 10 Grad nur eine leichte Erwärmung zu
verzeichnen ist.

Nach kurzer Pause steuert am Freitag das nächste Frontensystem auf Deutschland
zu. Es gehört zu einem weiteren Tief, das nachmittags über Schottland liegt und
durch einen weiteren Randtrog über dem Nordostatlantik gestützt wird. Die
Warmfront des Tiefs behelligt vor allem die Nordhälfte, während die Kaltfront
noch deutlich westlich von uns bleibt. So steigen mit südwestlicher Strömung
unter Zufuhr subtropischer Luftmassen die T850 hPa bis Freitagabend
deutschlandweit auf 8 bis 18 Grad.

In der erweiterten Mittelfrist ab Samstag ziehen Randtrog und Bodentief in die
Nordsee, sodass die Kaltfront von Westen rasch nach Deutschland vordringt.
Postfrontal setzt sich unter weiter noch zyklonalen Bedingungen wieder deutlich
kühlere Luft mit T850 hPa von 3 bis 10 Grad durch. Erneut hohe Baroklinität bei
einer leicht diffluenten Vorderseite des Trogs lassen verstärkt Konvektion zu,
angesichts der präfrontal feuchten Luftmasse könnte es dann zu starken Gewittern
kommen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis zum Dienstag ist eine gute Konsistenz im Vergleich des heutigen 0 UTC-Laufs
des EZMW zu seinen beiden gestrigen Vorläufen gegeben. Am Mittwoch zieht der
Trog nun aber rascher ab als in den Vorläufen, allerdings folgt dafür schnell
ein weiterer Randtrog, der die Britischen Inseln erreicht. Damit können von
Nordwesten her Ausläufer des zugehörigen Bodentiefs auf den Nordwesten und
Norden von Deutschland übergreifen, sodass dort der Hochdruckeinfluss deutlich
schwächer ausfällt und mehr Niederschläge zu erwarten sind. Nach kurzem
Zwischenhocheinfluss am Donnerstag folgt am Freitag schon die Warmfront eines
weiteren Tiefs bei den Britischen Inseln, welche sich erneut vor allem auf die
Nordhälfte Deutschlands auswirkt. Nach Süden hin dagegen überwiegt in allen
Läufen meist der Hochdruckeinfluss. In der erweiterten Mittelfrist kommt die
Kaltfront nun bereits am Samstag nach Deutschland (ebenso beim gestrigen 12
UTC-Lauf), während der gestrige 0 UTC-Lauf die Ankunft erst für Sonntag
einkalkulierte.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


GFS ist bis zum Donnerstag dem EZMW sehr ähnlich. Danach folgt am Freitag zwar
auch ein zweiter Randtrog, dieser ist allerdings nicht mit einem Bodentief
gekoppelt. Stattdessen kommt es zu einer Leezyklogonese südlich des
Skandinavischen Gebirges. Damit verbunden strömt aus Nordwesten bereits in der
Nacht zum Samstag kühlerer Luft nach Deutschland ein.
ICON dagegen zeigt einen breiteren Langwellentrog und daher quasi die Lösung des
gestrigen 0 UTC-Lauf des EZMW. Der nachfolgende Rücken wölbt sich dadurch zwar
stärker auf, allerdings bilden Trog und zugehöriges Bodentief südwestlich von
Island ein Randtief über den Britischen Inseln. Im Westen und Süden kommen
folglich feuchtere und kühlere Luftmassen an, das Temperaturniveau liegt
durchaus 4 bis 6 Kelvin niedriger als beim EZMW. Am Freitag überwiegt dann im
Gegensatz zum EZMW überall Hochdruckeinfluss, die Temperaturen gleichen sich
dabei wieder an.
GEM ist ebenfalls bis zum Donnerstag der EZMW-Lösung sehr nahe. Das zweite
Bodentief am Freitag wird von GEM auch simuliert, es liegt jedoch nördlicher,
sodass die Warmfront nicht über Deutschland zu finden ist. Die Kaltfront kommt
dann aber auch am Samstag zu uns.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles bestätigen im Großen und Ganzen für mehrere
deutsche Städte den deterministischen Lauf. Ab Mittwoch öffnen sich die
Streuungen zwar, allerdings bleiben Haupt- und Kontrolllauf meist im bis zum
Ende sichtbaren Median der Mehrheit der Ensemblemitglieder. Während Haupt- und
Kontrolllauf sowie Median ab Mittwoch an den oberen Rand der Streuungen wandern,
gehen sie ab Samstag zum unteren Rand. Folglich ist denkbar, dass a) es sich ab
Wochenmitte nicht so deutlich erwärmt und b) ab Samstag die Kaltfront nicht oder
noch nicht durchzieht. Allerdings sind beide Varianten auch nur
Außenseiterlösungen.

Die Clusteranalyse wirft für Montag (0 UTC) bis Mittwoch (0 UTC) bereits 4
Cluster aus. Diese zeigen alle den Trog, allerdings in leicht unterschiedlichen
Amplifizierungen und Wellenlängen. So bleibt die Frage nach der Stärke und dem
genauen zeitlichen Durchgang der Kaltfront noch mit kleinen Fragezeichen
versehen, eine Unwetterlage kristallisiert sich aber weiterhin nicht heraus.

Von Donnerstag (0 UTC) bis Samstag (0 UTC) gibt es 5 Cluster. Die Unterschiede
sind zum Teil größerer Natur, in unterschiedlicher Ausprägung wird im Süden aber
eigentlich nur Hochdruckeinfluss berechnet. Im Norden dagegen sorgen bei C1 mit
Haupt- und Kontrolllauf und C4 Randtröge für zeitweiligen Tiefdruckeinfluss. Bei
den anderen überwiegt auch im Norden Hochdruckeinfluss.

Von Sonntag (0 UTC) bis Dienstag (0 UTC) lässt nur ein Cluster keine größeren
Zweifel am Trog- und Kaltfrontdurchgang zu.

FAZIT: Der erste Kaltfrontdurchgang am Montag ohne Unwetterlage ist sicher, wenn
auch Details noch festgezurrt werden müssen. Ob vorübergehender
Hochdruckeinfluss bei wieder steigenden Temperaturen ab Dienstag zur Wochenmitte
in der Nordhälfte erneut durch Tiefdruckdurchgänge unterbrochen wird, ist
dagegen nicht ganz so sicher, aber auch nicht unwahrscheinlich. Zum Ende der
Woche hin gibt es voraussichtlich eine weitere Erwärmung mit vor allem nach
Süden hin auch hohen Temperaturen bis in den Hitzebereich. Diese Episode dürfte
jedoch wie alle warmen Episoden in diesem Sommer zuvor rasch wieder enden, wenn
am Samstag oder spätestens am Sonntag die nächste Kaltfront durchzieht. Offenbar
ist das Wetter gewillt, der Siebenschläferregel zu folgen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


WIND:
EFI gibt am Montag Hinweise auf überdurchschnittlich viel Wind in der
Nordhälfte. Das wird von COSMO-LEPS durch hohe Wahrscheinlichkeiten für starke
Böen Bft 7 und mit geringen Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen Bft
8bestätigt. An der Küste und auf Kuppen der nördlichen Mittelgebirge gibt es
auch geringe Wahrscheinlichkeiten für Sturmböen Bft 9.
Am Dienstag zeigt EFI noch an der Küste schwache Signale, die von COSMO-LEPS mit
schwachen Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen Bft 8 unterstützt werden.

STARKREGEGN/DAUERREGEN:
Beim Niederschlag werden von EFI keine Signale angezeigt, dennoch könnte es ab
Montagabend bis in den Dienstag hinein an den Alpen mit geringer
Wahrscheinlichkeit durch Staueffekte zu gewittrigen Stark- oder Dauerregen
kommen.

GEWITTTER mit STARKREGEN/STURMBÖEN:
Außerdem treten ab der Nacht zum Montag zunächst im Norden, am Montag auch im
äußersten Süden einzelne Gewitter auf, die stellenweise die Gefahr von
Starkregen und Sturmböen bergen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW-EPS. Ab Wochenmitte bevorzugt EZMW-Produkte, da MOSMIX
modellbedingt dann zu schwammig agiert.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler