DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

13-06-2024 17:01
SXEU31 DWAV 131800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 13.06.2024 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Nacht zu Samstag Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... ist der vorher vorherrschende Langwellentrog ostwärts über Polen
und der Ostsee abgezogen, über Deutschland folgt ihm ein Höhenrücken, der von
einem über Nordwesteuropa befindlichen umfangreichen Höhentiefkomplex gestützt
wird. Niederschläge werden vorerst nicht erwartet. Auf der Vorderseite des
Höhentiefs bei Irland kommt es zu kräftiger WLA, die bereits in der ersten
Nachthälfte auf Westdeutschland übergreift und für mehrschichtige Bewölkung
sorgt. Einzig im äußersten Südosten bleibt es klar. Somit gestalten sich die
Nachttemperaturen zwischen 13 Grad im bedeckten Nordwesten und bis 5 Grad im
fast sternenklaren Südosten.
Im Laufe der zweiten Nachthälfte setzen im Nordwesten her die ersten Regenfälle
ein. Die Luft bleibt stabil geschichtet, jedoch verschärft sich mit Annäherung
der Warmfront der Druckgradient leicht, so dass an der Nordseeküste und auf den
westlichen Mittelgebirgen ein frischer bis starker Wind aus Südwest weht.


Freitag ... greift die scharf konturierte Achse des Höhentiefkomplexes, welche
sich von Nordeuropa über die Nordsee bis nach Irland erstreckt, von Nordwesten
her auf die Biskaya über. Das Zentraltief kommt aber kaum ostwärts voran. Dabei
verlagert sich die gut konturierte und teilokkludierte Frontalzone weiter
ostwärts, die dazugehörige Warmfront erreicht schon Vormittag Deutschland und
verlagert sich Nordostwärts. Die Kaltfront hingegen wellt über Frankreich und
erreicht erst in der 2. Tageshälfte den Westen.
Entlang der Warmfront, aber auch im Warmsektor kommt es bei einer meist stabilen
Schichtung zu leichten Regen. Gleichzeitig nimmt der Druckgradient im Westen zu,
in der Eifel muss daher ab dem späten Vormittag bis in den Nachmittag hinein mit
Windböen BFT 7 gerechnet werden. Aber auch auf den westlichen und südwestlichen
Mittelgebirgen werden einzelne 7er Böen erwartet.
Bei einer kräftigen Südwestanströmung gelangen zunehmend auch mildere und
feuchtere Luftmassen Deutschland. Die 850 hPa Temperaturen liegen Freitag 18 UTC
zwischen 6 Grad im Norden und bis 11 Grad im Südwesten. Auch die PPWs steigen
abends von Westen her rapide an. Lagen sie am Vormittag noch verbreitet um 20
mm, nehmen sie abends Werte von über 30 mm an. An Gewittern wird aber nach wie
vor nicht viel erwartet, da auf der Vorderseite des westeuropäischen Troges ein
Höhenrücken für Absinken sorgt. Bodennah jedoch ist der zyklonale Einfluss durch
starke Bewölkung und etwas Regen spürbar. Dennoch wird es mit Höchstemperaturen
von 18 bis 23 Grad etwas wärmer als am Vortag.
In der Nacht zu Samstag greift die Achse als scharfer Kurzwellentrog rasch auf
Frankreich, in der zweiten Nachthälfte auch auf Belgien, später auch auf den
Nordwesten Deutschlands über. Die starke PVA sorgt für kräftige Hebungsprozessen
entlang der wellenden Kaltfront. Die ihrerseits nun auf Westdeutschland
übergreift. Dabei entsteht ein Teiltief über der Nordsee. Gleichzeitig
labilisiert die Schichtung und auch MU Cape kann aufgebaut werden. Einzelne
Gewitter sind durchaus Wahrscheinlich. Der Hauptschwerpunkt dürfte aber bei den
Niederschlägen liegen, so simuliert ICON D2 am Schwarzwald bis Samstag 06 UTC
bis zu 40 l/qm in 6 Stunden. Dabei gibt es aktuell noch größere Unsicherheiten
in den Modellen wo sich die Kaltfrontwelle befindet und je nach dem verlagern
sich auch etwas die Niederschlagsschwerpunkte, bzw. auch die Intensitäten.
Hinter der Kaltfront fließen deutlich kühlere und trockenere Luftmassen ein. In
850 hPa liegen dann die Temperaturen bei 3 Grad, im Südosten, also vor der
Kaltfront haben wir noch 15 Grad.

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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC

Samstag ... schwenkt der Kurzwellentrog bereits bis zum frühen Nachmittag über
das gesamte Vorhersagegebiet hinweg nordostwärts. Das Zentraltief des Troges
erreicht zum Abend die westliche Nordsee, so dass sich hierzulande nach Abzug
des Troges eine recht glatte südwestliche Höhenströmung etabliert, in der
Absinken dominiert.
Im Bodenfeld füllt sich das ehemalige Zentraltief bei Irland auf. Die Kaltfront
zieht bis zum Nachmittag ostwärts ab. Vormittags/mittags kann es dabei auch zu
kräftigen Gewittern kommen, wobei lokal eng begrenzt zu Starkregen (PPWs
immerhin um 25 mm) und Sturmböen kommen kann.
Im Südosten gerät die Kaltfront ins Schleifen, an den Alpen und im östlichen
Alpenvorland setzt der Regen erst nachmittags ein. Anfangs sind eventuell auch
kurze Gewitter nicht ganz ausgeschlossen.
Der Wind ist aufgrund der recht kräftigen Tiefdruckentwicklung über
Nordwesteuropa auch tagsüber warnrelevant. Im Westen und Nordwesten gibt es
steife Böen, in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge stürmische Böen, auf
exponierten Gipfeln Sturmböen (Brocken: schwere Sturmböen) aus Südwest. Im
Nordseeumfeld muss allgemein mit stürmischen Böen gerechnet werden.
Postfrontal folgt erwärmte maritime Subpolarluft, die 850 hPa-Temperatur sinkt
auf 4 Grad im Nordwesten und 9 Grad im Südosten. Entsprechend erreichen die
Höchsttemperaturen, je nach Sonne, Werte zwischen 18 und 22 Grad. Lediglich im
Nordseeumfeld bleibt es wohl etwas frischer.

In der Nacht zum Sonntag befindet sich das Höhentief über der nordwestlichen
Nordsee. Darin eingebettet, greift im Laufe der Nacht ein recht breit angelegter
Randtrog auf den Nordwesten des Landes über, so dass es neben Schauern vom
Niederrhein bis zum Emsland und nach Schleswig-Holstein eventuell auch mal für
ein kurzes Gewitter reicht.
Die Kaltfront schleift nach wie vor über dem Alpenraum. Somit fällt an den Alpen
und im östlichen Alpenvorland wohl bis weit in die Nacht hinein noch Regen,
allerdings ohne warnrelevante Mengen. Im Rest des Landes bleibt es aber trocken
und gebietsweise auch gering bewölkt. Die Tiefstwerte liegen zwischen 13 Grad im
Nordwesten und 7 Grad in einigen Mittelgebirgstälern.


Modellvergleich und -einschätzung
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Differenzen gibt es vor allem bzgl. der Bodentiefentwicklung über der Nordsee ab
der Nacht zum Samstag. Das hat Auswirkungen auf die Wind- und eventuell auch
Niederschlagsprognosen, die bereits im Text beschrieben wurden.
Ansonsten fahren die Modelle aber einen einheitlichen Kurs.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christina Speicher