DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

20-03-2017 23:00
SXEU31 DWAV 201800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 20.03.2017 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Keine.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC
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Aktuell ... lag um 12 UTC in 300 hPa ein flacher Rücken über Deutschland, der
sich bis Tagesende nach Polen verlagert.

Die im äußersten Norden Deutschlands befindliche Warmfront des zentralen Tiefs
nördlich Schottlands verlässt derzeit Deutschland nordwärts, während die
Kaltfront am heutigen späteren Abend in den Nordwesten eindringt. Damit zieht
die um 12 UTC noch recht starke WLA abends in Richtung Ostsee/Südschweden ab und
wird im Norden und Nordwesten durch KLA abgelöst.
Die vom ICON6_NEST berechnete 12stündige Regenmenge der kommenden Nacht (18 bis
06 UTC) erreicht nur vereinzelt Werte über 5 mm. Südlich einer Linie
Pfalz-Niederlausitz soll es weitgehend trocken bleiben.

Nach COSMO-DE und ICON-Nest ist die Gefahr von Böen Bft 8 an der Nordsee
zwischen 21 und 24 UTC vorüber. OOG bleibt dort sogar nur bei Bft 7. Der 00
UTC-Lauf des ECMF16 prognostiziert dagegen noch um 24 UTC an der Nordsee Böen
Bft 8 bis 9. PEPS und COSMO-LEPS von 00 UTC sehen um 24 UTC nordwestlich einer
Linie Münsterland-Lübecker Bucht noch hohe Wahrscheinlichkeiten (verbreitet
100%) für steife Böen Bft 7.

Die Nebelwahrscheinlichkeit für die kommende Nacht ist in den tieferen Lagen
generell gering. Frost in Bodennähe ist unwahrscheinlich.


Dienstag ... dreht vor einer kräftigeren Austrogung über dem östlichen
Nordatlantik die 300 hPa-Strömung allmählich auf Südwest zurück, wobei das
Geopotential fällt.

Die Kaltfront kommt unter leichter Wellenbildung bis Mittag weiter nach Südosten
voran und hat bis zu diesem Zeitpunkt quasi die gesamte Nordwesthälfte schon
überquert. Sie bewegt sich in der zweiten Tageshälfte rasch weiter südostwärts
und liegt um 24 UTC bereits über Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich.
Nachmittags und abends sinken im Nordwesten und Norden die 850 hPa-Temperaturen
auf unter -5 G5rad ab.

Die 24stündige Niederschlagsmenge ist nach ICON-Nest im Südwesten und teils auch
in der Mitte mit gebietsweisen mehr als 10 mm am höchsten - maximal werden 16 mm
im Nordschwarzwald erwartet. GFS simuliert bis 22 mm am Alpenrand.
Das frontale Regengebiet - wobei der Niederschlag allerdings überwiegend
postfrontal fällt - verbindet sich abends mit dem Regen, der dann auch schon an
den Alpen einsetzt und um 24 UTC fällt südlich einer Linie
Mittelschwarzwald-Oberpfalz Niederschlag, der dann oberhalb etwa 800 m als
Schnee niedergeht. Die Stauhebung am Alpennordrand wird durch von Süden
aufkommende WLA verstärkt.

Über der Nordhälfte Deutschlands klart es verbreitet auf, der Wind wird deutlich
schwächer, so dass es im Norden und in der Mitte gebietsweise leichten Frost bis
-3 Grad geben kann.

Nach vorübergehendem Abflauen frischt der aus WSW bis SW wehende Wind von Westen
her wieder auf, womit vormittags im Nordwesten erneut mit steifen Böen gerechnet
werden muss. Zum Nachmittag hin sind nach C-DE und ICON auch wieder stürmische
Böen wahrscheinlich, wobei ICON auch das nördliche Schleswig-Holstein mit
einschließt.


Mittwoch ... kommt es im Bereich des ostatlantischen Langwellentroges zu einem
Cut-Off-ähnlichen Prozess bei Irland. Am Tagesende liegt das Höhentief westlich
der Bretagne. Über Deutschland wölbt sich in der südwestlichen Höhenströmung ein
sekundärer Rücken auf, dessen Achse um 24 UTC etwa von Sachsen bis zur
Elbmündung reicht.

Die von Österreich her auf den Süden übergreifende WLA weitet sich in der ersten
Tageshälfte rasch nordwärts aus und erfasst den gesamten Süden und die Mitte.
Abends herrscht teils recht kräftige WLA nahezu über dem gesamten Land.
Die anfangs (00 UTC) nur im Süden fallenden Niederschläge weiten sich zunächst
nur zögernd, ab etwa Mittag dann beschleunigt nordwärts aus. Dabei sinkt am
Morgen die Schneefallgrenze über Süd-Bayern vorübergehend bis unter 500 m ab,
ehe sie im weiteren Verlauf der ersten Tageshälfte wieder deutlich ansteigt.
Abends regnet es zeit- und gebietsweise im Süden und in der Mitte.
ICON-Nest simuliert im Bodenseeraum 24stündig bis über 15 mm. GFS hat ebenfalls
im äußersten Süden Gebiete mit mehr als 10 mm, im Berchtesgadener Land auch über
20 mm.

Das anfangs über Süddeutschland liegende Zwischenhoch verlagert sich verstärkend
nach Nordosten und verlässt unser Gebiet bereits am Morgen. Um 12 UTC befindet
sich das Hoch über dem südlichen Polen und um 24 UTC über dem westlichen
Belarus. Mit der gleichzeitigen Ausweitung der westeuropäischen Tiefdruckzone
dreht die Strömung in großen Teilen Deutschlands auf Ost. Nach OOG treten aber
keine warnrelevanten Böen auf (Ausnahme Zugspitze spätabends mit Böen Bft 8).

Die 850 hPa-Temperaturen steigen im Süden und Südosten zum Tagesende wieder über
den Gefrierpunkt an.

Die Frostgefahr in der Nacht zum Donnerstag ist nur gering (windschwächere Lagen
in der Nordhälfte). Die Gefahr warnrelevanten Nebels ist vor allem in Bayern,
aber auch in Teilen des südlichen Baden-Württembergs deutlich höher als in den
Nächten davor.


Donnerstag ... verlagert sich bis 12 UTC das Höhentief zur zentralen Biscaya,
der schwache Rücken wandert derweil nach Rügen ab.

Bis Mittag setzt sich der Anstieg der Temperatur in 850 hPa im Süden und in der
Mitte weiter fort, womit sich die ehemalige Kaltfront nun wieder von Österreich
her nach Deutschland - als Warmfront - begibt. Sie könnte um 12 UTC über den
beiden südlichen Bundesländern liegen. Im Norden entsteht dagegen quasi ein
kleiner "Kaltlufttropfen", da hier bis zum Mittag die 850 hPa-Werte bis -5 Grad
zurückgehen, vornehmlich über Mecklenburg-Vorpommern.

ICON-Nest lässt von 00 bis 12 UTC das Regengebiet aus Süddeutschland nordwärts
wandern, es soll morgens über Sachsen-Anhalt liegen und mittags dann einen
Streifen vom Jadebusen bis an die Oder einnehmen; die Mengen von 00 bis 12 UTC
gehen aber nicht über 4 mm hinaus (Norddeutschland); GFS geht bis 6 mm im
Erzgebirge.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die großscaligen Felder über Mitteleuropa unterscheiden sich im ICON, GFS und
LFPW nur wenig voneinander.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Burkhard Kirsch.